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Der ökumenische Schöpfungstag 2011
Der ökumenische Schöpfungstag 2011 wurde in der Koblenzer BuGa gefeiert
 Koblenz am Deutschen Eck: Gut 9 Monate vor Eröffnung der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz fand am 2. Juli 2010 die erste offizielle Fahrt der Seilbahn über den Rhein bei Koblenz statt. Die größte Seilbahn Deutschlands wurde als Dreiseilbahn (3S) ausgeführt und führt vom „Deutschen Eck“, beim Zusammenfluss von Rhein und Mosel, über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein. Auf einer Gesamtlänge von knapp einem Kilometer und einer Höhe von bis zu 40m über dem Rhein ermöglicht sie den Gästen einen beeindruckenden Blick über den Rhein und das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal. Foto: Doppelmayr.com
Es war wohl der heißeste Tag des Jahres, als sich ca 70 Menschen morgens vom Kölner Hauptbahnhof aufmachten, um zur BuGa nach Koblenz zu fahren. Zu diesem Ereignis hatten drei Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK) , anlässlich der diesjährigen ökumenischen Feier zum Schöpfungstag eingeladen. Der Schöpfungstag ist für den 3. September festgesetzt worden, und wurde jetzt zum zweiten Mal ökumenisch begangen. Das erste mal wurde die ökum. Feier des Schöpfungstages mit hochrangigen Vertretern der Kirche in [->] Brühl gefeiert. Teilnehmer beschrieben den besonderen Ausflug als wunderbares Treffen an diesem schönen blumenreichen Ort, der von der Kölner ACK, der Koblenzer ACK und der Neuwieder ACK gut vorbereitet wurde.
 Begrüßung am Bahnhof
Der griechisch-orthodoxe Erzpriester Constantin Miron aus dem rheinländischen Brühl predigte zum Ökumenischen Tag der Schöpfung in Koblenz mit dem Titel, der als Motto für den ev. Kirchentag 2009 galt: "Mensch, wo bist du?"
 Die Koblenzer Kirche St.Kastor |
Die Predigt im Wortlaut:
Mensch, wo bist du?
Es geschah in meinem diesjährigen Urlaub in Finnland, dass ich eine große Lektion erfuhr. Zum ersten Mal seit meiner Kindheit war ich wieder in einem richtigen Wald, in dem viele Pilze wuchsen. Als ich klein war, hatte man mir beigebracht, die giftigen Pilze zu zertreten, da sie für den Menschen schädlich seien. Man rette womöglich ein Menschenleben, wenn man z. B. einen Fliegenpilz zertrete. Jetzt musste ich erfahren, dass auch ein Giftpilz seine Daseinsberechtigung hat, der Mensch stehe nicht im Mittelpunkt, er sei vielmehr ein Teil der Natur. |
Der Mensch als Teil der Natur: Nicht über dem Fliegenpilz, sondern neben ihm. Mensch, wo bist du? Diese Frage kann nun zwei Antworten haben: unser Denken und unser Handeln kann in zwei Richtungen gehen. An diesem Scheideweg stehen wir: folgen wir zunächst dem ersten! Wenn wir den Menschen als Teil der Natur sehen, der ebenso wie jedes Lebewesen geboren wird, wächst und gedeiht und irgendwann vergeht und vermodert, eingeht also in einen ewigen Kreislauf der Natur – und mehr nicht! -, begegnen wir auf diesem eingeschlagenen Weg nicht nur vielen Vertretern anderer Religionen, sondern auch vielen agnostischen und religionsfernen Geschwistern. Als Theologe würde ich allerdings sagen, hier fehlt eine Dimension, jene die über die natürlichen Dinge hinausgeht, die Fragen nach der Physik (META TA PHYSIKA wie die Alten Griechen sagten), eben die Metaphysik.
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Es fehlt aber nicht nur das. Einfach gesprochen, kommen wir irgendwann auf die Frage des Woher? und des Wohin? Woher kommen wir und worin liegt der Ursprung der Dinge – und der Menschen!- und wohin gehen wir? Was bleibt? Dass nichts von uns übrigbleibt, behaupten ja viele. Aber was ist mit unserem Ursprung? Woher kommen wir`? Von da, wo der Fliegenpilz herkommt? |
Eine weitere Schwierigkeit besteht auch offensichtlich darin, dass der Mensch in die Natur eingreift. Wenn der Biber einen Staudamm baut und die Termite ihren Bau, wenn die Erde bebt und eine Flutwelle auslöst, ist das Natur. Und was ist mit Fukushima?
Wir stellen fest: die erste Antwort hilft uns nicht. Es hilft nicht, den Menschen auf der Ebene des Fliegenpilzes zu sehen. Die zweite mögliche Antwort auf die Frage gibt uns z. B. ein Mystiker des 16./17. Jahrhunderts, Jakob Böhme, wenn er schreibt: „Wenn man nun betrachtet die ganze Natur und ihre Eigenschaft, so siehet man den Vater. Wenn man anschaut den Himmel und die Sternen, so siehet man seine ewige Kraft und Weisheit. Also viel Sternen unter dem Himmel stehen, die doch unzählig und der Vernunft unbegreiflich, auch ein Teil unsichtlich sind, also viel und mancherlei ist Gottes des Vaters Kraft und Weisheit.“
Bereits in der alten Kirche hatte man ein klares und tiefes Bewusstsein dafür, sich als Geschöpf Gottes und als neue Schöpfung in Jesus Christus zu verstehen. Die frühen Christen im Heiligen Land und im syrischen Raum benutzten die Metapher der Pflanze und der Pflanzung durch den Schöpfer, der die Wurzeln stärkt und das Wachsen und den Wandel jedes Einzelnen wie auch der Gemeinschaft bestimmt, zum Ausdruck zu bringen. Die alten Texte vergleichen jeden einzelnen Christen mit einer Pflanze. Jede Pflanze will gehegt und gepflegt sein. Jeder Christ, jede Christin gehört zu einer Pflanzung, die aus vielen Pflanzen besteht. Diese Pflanzung ist die Kirche. Die Wurzeln der Pflanzen und der Pflanzung reichen tief, sie reichen bis zu den Strömen des Paradieses, welche die frühe Christenheit mit der Taufe identifizierten. Für uns mag das heute befremdlich sein, jene vier Paradiesströme, über die uns das Buch der Genesis berichtet, mit unserer Taufe in Beziehung zus etzen. Vergessen wir aber nicht: die Menschen, die dies aufschrieben, hatten ihre Taufe bewusst erlebt, im Erwachsenenalter, und in der Freude darüber, lasen sie auch die Heilige Schrift und den Schöpfungsbericht ganz anders als wir heute. Die Wasser der Taufe sind eine Quelle lebendigen Lebens aus dem Glauben. Leben aus der Energiequelle der Taufe bedeutet: Auch uns gilt die Zusage der Stimme aus dem Himmel bei der Taufe Jesu: „Du bist mein geliebtes Kind, mein geliebter Sohn. Durch die Taufe sind wir verbunden mit Jesu Christi Sterben und mit seiner Auferstehung. Nichts kann uns mehr trennen von der Liebe Christi.
Fassen wir diese Antwort zusammen: Der Mensch ist Geschöpf Gottes, allerdings mit einer besonderen Aufgabe in der Schöpfung. Vielleicht kennen Sie diesen Vers aus dem 2. Kapitel der bereits erwähnten Genesis: „Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen.“ Namen geben heißt ja, eine Beziehung eingehen. Gott gibt dem Menschen eine Aufgabe und der Mensch erfüllt sie. Und er nennt den Fliegenpilz Fliegenpilz. Auch heute gibt Gott uns die Aufgabe, die Dinge beim Namen zu nennen. Gestern Abend zum Beispiel hat bei der zentralen Feier der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland zum Tag der Schöpfung 2011 in Berlin der mennonitische Theologe Fernando Enns die Dinge, die im Argen liegen, ganz deutlich benannt. Dass es etwa Börsenspekulation mit Wasserrechten gibt, die dazu führt, dass manche Menschen keinen Zugang zum Wasser mehr haben. Oder dass es heutzutage Summen gibt, die für so genannte Rettungsschirme bereitgestellt werden, Summen, mit denen man womöglich eine Hungerkatastrophe, wie gerade in Somalia, verhindern könnte.
Die Dinge beim Namen nennen, heißt eine Beziehung herstellen bzw. die Dinge erkennen. Ein einfaches Beispiel: Schauen Sie mal auf ihre rechte Hand. Die meisten von Ihnen haben heute den griechischen Buchstaben Δ (Delta) darauf gestempelt bekommen. Am Tag der Schöpfung behaupte ich ganz einfach mal, dass dieses Delta für DEMIOURGIA (griech. Schöpfung) steht. In einem alten Traktat über Buchstabensymbolik las ich übrigens vor kurzem dass das Delta der Schöpfungsbuchstabe schlechthin sei. Denn neben der horizontalen Grundlinie, die die irdische Natur darstelle, habe er ja noch die zwei Linien, die von oben, vom Schöpfer herkommen. So ist das: Sie dachten; Sie hätten einen schnöden Stempel zum Eintritt in die BUGA bekommen, stattdessen erfahren Sie jetzt: da seht „Denk an den Schöpfer! Denk an die Schöpfung!“ auf meiner Hand, sozusagen ein ständiges Memento!
Ist das nicht eine faszinierende Idee? Jeden Tag sich so einen Stempel auf die Hand zu drücken, jeden Tag neu erinnert zu werden: „Denk an den Schöpfer! Denk an die Schöpfung!“ In diesem Sinne: Bitte nie mehr abwaschen! Und wie Sie mit Fliegenpilzen umzugehen haben, haben Sie heute auch noch gelernt!
Bericht: Esther Vietz
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